Donnerstag, 18. Februar 2021

Focke Wulf 190

 "Soll ich dir einen Flieger drucken?" Mein Neffe Jakob hat einen 3D-Drucker. Wie er zum ersten Mal erwähnt hat dass er sich ein ganzes Modellflugzeug ausdrucken will war ich ziemlich skeptisch. Aber sein erstes komplett im 3D-Drucker entstandenes Flugzeug hat mich überzeugt. 

Ja, bitte! Eine Me109 oder eine Focke Wulf 190? Im Original war die FW190 einfacher zu fliegen. Es ist nicht unbedingt gesagt dass das für das Modell auch gilt, aber es wäre ein Kriterium. Ich entscheide mich für die FW190. 

Das Modell ist für air combat entwickelt, also Luftkampf bei dem jedes Modell einen Papierstreifen nachschleppt den es gilt mit dem Propeller abzuschneiden. Manche der Luftkämpfer legen Wert auf vorbildgetreue Bemalung und setzen sich historische Stahlhelme auf. Das ist nicht meine Welt, mein Flieger wird keine Tarn-Bemalung bekommen. Leichte Erkennbarkeit der Fluglage ist mir viel wichtiger. 




Der 3D-Drucker hat seine Arbeit gemacht, jetzt geht es ans Besorgen der Komponenten. Der Motor ist ein AX-4008. Klingt nach Axi und damit nicht nach Problem. Die Art von scheibenförmigen Motoren wie sie für Quadrocopter verwendet werden. Vielleicht hätte ich doch früher schauen sollen und vielleicht ein anderes Modell wählen. Denn der Motor ist nicht so leicht aufzutreiben, er ist nur in China oder England erhältlich. 

Einen Akku besorgen - und er passt nicht hinein. Aber welcher Akku passt hinein? Ich modelliere das teilweise konische Akkufach grob im CAD, und zwar den Hohlraum als Vollkörper. Sozusagen die Negativform. Dann erstelle für jeden der in Frage kommenden Akkus einen Quader und versuche die Quader ins Akkufach hinein zu schieben. Wenn der Quader heraus schaut dann passt er nicht hinein. 

der passt nicht hinein


und der passt hinein. 

Zusammenkleben der Teile. Die Konstruktion mit komplizierten Verstärkungen und Verstrebungen ist aufwändig und ein Lehrbuchbeispiel für Leichtbau. Trotzdem wird die Flächenbelastung hoch sein und die Fluggeschwindigkeit ebenfalls hoch sein. Im Seewinkel ist es im Allgemeinen recht windig, daher wird das ein Vorteil sein. 

Interessant dass alle Teile stumpf aufeinander geklebt werden, ohne zusätzliche Verbindungselemente. Bei einer unsanften Bodenberührung könnte das ein Vorteil sein wenn sich die Klebung löst ohne dass die gedruckten Teile brechen. 

Superkleber statt Weißleim auf den Fingern - da war der Weißleim angenehmer. 

Blick in die Tragfläche

Für die Runder habe ich hübsche Scharniere entdeckt. Sie lassen sich nach dem Einkleben zusammensetzen. Die Montage war ein Qual und eines ist nach der Montage und vor dem Erstflug abgebrochen. Definitiv keine Empfehlung! 



Fertigstellung, der Schwerpunkt passt exakt auf die mitgedruckte Schwerpunkt-Markierung. Allerdings stellt diese die hinterste Lage des Schwerpunkts dar. 20g Blei an der Nase machen das Modell wesentlich angenehmer zu fliegen. 



Und sie will - klarerweise - schnell geflogen werden. Ein zu langsamer Landeanflug, und schon müssen die geklebten Sollbruchstellen herhalten um die gedruckten Teile zu entlasten 😉 


Links: 

3D-Druck-files: Focke Wulf von 3dlabprint 

Akku: XTRON 6S 1200mAh und außerdem der Link zu einem sehr netten und empfehlenswerten Geschäft für Hubschrauber, Quadrocopter und 3D-Druck 

Motor: DYS D4215-21 650KV