Sonntag, 13. Januar 2013

schwanzlos (Holiday)

In letzter Zeit habe ich mich selbst in die Luft gehängt statt Modelle zu bauen oder zu fliegen. Als Aeroclub-Mitglied bekomme ich regelmäßig die Zeitschrift "Prop" zugeschickt. Das Prop Nr. 3/2012 wollte ich schon ins Altpapier geben und habe es noch einmal überflogen, und bin beim Bericht über den "Holiday" (ab S.112) hängengeblieben. Ein Brett-Nurflügler von Robert Schweißgut. Der Name Robert Schweißgut ist mir schon öfter einmal untergekommen, er ist in der Nurflügel-Szene bekannt.

Weitere Recherchen im Internet, man liest nur gutes über ihn und seine Modelle. Nurflügler sollen wendiger sein und weniger Kurvensinken haben als "Schwanzflieger". So soll man engere Thermikbärte auskurbeln können. Außerdem reizt mich die Idee eines leicht zu transportierenden Modells, denn das sperrigste und heikelste an Flugmodellen ist immer das Leitwerk. Die Modelle sehen instabil aus, und zwar um jede Achse. Man kann es kaum glauben dass die Dinger stabil fliegen - und das möchte ich live erleben. 

Bald ist mein Entschluss festgestanden: Ich will endlich wieder einmal Balsastaub zusammenwischen und mir endlich wieder wieder Weißleim von den Fingern klezeln. Bleibt noch die Qual der Wahl: Auf wing-tips.at gibt es viele Möglichkeiten. Den kleineren Chinook ("Kurbeln Sie die Bussarde aus"), den Shorty, den Simply, den Boulder, den Ximango, oder doch den Holiday ("ideal für den Einstieg in die Nurflügler-Szene"). Es gibt noch viel mehr Bausätze, und dazu noch Baupläne, außerdem sind in seinen verschiedenen Büchern Baupläne zu finden.

Holiday. Bild-Quelle: wing-tips.at

Es wird der Holiday. Ich bestelle außerdem noch zwei Bücher: "Thermaling" und "Vorbild der Flieger - Steinadler". Ein paar Tage später klingelt der Brifträger in der Früh und überreicht mir ein längliches Paket. An dieser Stelle ein großes Lob für unseren Breifträger, er weiß wann wir zu Hause sind.

"Thermaling", also ein Büchlein über das Thermikfliegen, habe ich in einem Tag verschlungen (dem grippalen Infekt sei Dank). Auf sympathische Art erzählt Robert Schweißgut seine "G'schichtln" und macht Lust auf's fliegen. Er beschreibt das Phänomen Thermik aus Sicht des Modellfliegers, des Segelfliegers, des Paragleiters und des Birdwatchers.

Auch das Adler-Buch ist hervorragend (siehe Leseprobe). Keine trockene wissenschaftliche Abhandlung, sondern ein Buch voll Liebe und Begeisterung. Wir erleben die Anfängerfehler eines Jungadlers bei seinem Erstflug  und eine spannende Jagd bei der zwei Adler im Teamwork einen Auerhahn angreifen. Für den Auerhahn endet das Abenteuer in diesem Fall glimpflich, die Adler gehen leer aus.

Dann geht es ans bauen. Die gefrästen Teile aus den Balsabrettchen heraus trennen und gemäß der ausführlichen und bebilderten Anleitung zusammensetzen und verschleifen. Ein wenig Modellbau-Erfahrung sollte man aber doch mitbringen. Alle Teile passen gut und der Bau geht zügig voran. Wer es eilig hat (und nicht z.B. auf einen Ball geht) kann das Modell wahrscheinlich an einem einzigen verregneten Wochenende fertigstellen.





Nach einem Wochenende gemütlichen Bauens (unterbrochen vom erwähnten Ballbesuch und anschließendem Ausschlafen) ist der Rohbau fertig. Im Zimmer sieht er riesig aus. Ich freue mich auf den Moment in dem er nur mehr ein winziges Stricherl am Himmel sein wird.
Gewicht im Rohbau-Zustand 660g, mit 160g in der Rumpfspitze würde ich den korrekten Schwerpunkt erreichen (allerdings sind Lackierung, Servos, Akku etc. noch nicht eingerechnet).


Mit dem Jedelsky-Profil habe ich beste Erfahrungen. Zurück zu meinen Modellflieger-Wurzeln, denn mein erstes (RC-)Flugmodell war und ist der Elektro-mini-Airfish. Ich fliege ihn immer noch gerne. Die fertig gefrästen Profilbretter erleichtern den Aufbau, die voll-Balsa-Flächen sind relativ unempfindlich beim Transport.

Ein paar Studien zum Design. Ich werde Beize und Klarlack verwenden wie in der Bauanleitung vorgeschlagen, dazu noch Acrylspray. Die Gleitschirmflieger unter meinen Lesern werden wohl nie erraten welche Schirm-Marke ich fliege.... ;-)

Anschlagen der Ruder mit  Polyester-Bespannvlies und Spannlack: Eine Fleißaufgabe (lt. Bauanleitung hätte Klebeband genügt).

Aufbringen des wasserverdünnbaren  Parkett-Versiegelungslacks mit der Rolle ... problemlos.

Lackieren der Unterseite indem ich Schablonen aus Papier schneide, diese mit Spraymount befestige und die Flächen mit Acrylspray lackiere. Die Spraydose schwächelt in der Kälte, eine Aufwärmpause für die Dose, dann weiter. Abziehen der Schablonen - oh je. Nicht gut gelungen. Na ja, im Flug sieht man's eh nicht so genau.

Inzwischen sind die Telemetrie-Geräte von Futaba gekommen. Ausprobieren des Vario's mit dem Airfish. Interessant. Nicht alles was vom Boden aus wie Steigen aussieht ist Steigen, nicht alles was vom Vario angezeigt wird hätte man vom Boden aus optisch erkannt.

23.2.2013
Motorspant provisorisch mit Klebeband befestigt, ein (zu kleiner) Motor aus Restbeständen montiert, 20g Blei im Bug 
Erste Gleitflüge bei Schneefall, dann der erste Motorflug:

Das Ding fliegt!!!! Und wie!!!!

Wenn man die Knüppel loslässt fliegt der (oder die?) Holiday schnurstracks weiter. Es haben eh alle geschrieben dass es so ist, und es ist wirklich so. Besonders eindrucksvoll ist das Ausschweben mit Bodeneffekt, ich musste weit durch den Schnee stapfen weil ich die Gleitleistung grob unterschätzt habe.

Bin alleine durch den Schnee gestapft, daher noch keine Fotos. Aber die werden folgen.

Die Gleitschirmflieger unter meinen
Lesern werden wohl nie erraten
welche Schirm-Marke ich fliege.... ;-)
Ich verwende einen 2200mAh-Akku der zwar ein bisschen zu groß ist, aber ich möchte die gleiche Akku-Type wie in den anderen Modellen verwenden. 

Bei der Heckflosse war ich besonders "schlau":  Ich habe darauf verzichtet sie festzukleben sondern habe sie nur hinein geklemmt. Erstens wollte ich sie noch bemalen und das geht leichter wenn man sie flach auf den Tisch legen kann, zweitens wäre es zum Transport praktischer. Bei einer Rolle hat sie sich dann selbständig gemacht. Ohne Heckflosse fliegt er nicht. Ich habe ihn mit Ach und Krach gelandet, dann war die erste Reparatur fällig. 

Zur Befestigung der Kabinenhaube ist ein Druckknopf aus dem Näh-Bedarf vorgesehen, der mit Epoxy angeklebt wird. Das hat sich bei mir nicht bewährt. Einmal habe ich die Kabinenhaube verloren. Zum Glück gleich beim Werfen, und ein Fliegerkollege hat sie aufgehoben. Ich leiste mir Magnete als Kabinenhauben-Verschluss.

Wochenende auf der Hohen Wand, Wind und Wetter würden passen, aber keine Paragleiter in der Luft ... da muss irgendwas faul sein. Weil ich schon einen Verdacht gehabt habe, habe ich den Holiday im Auto. Ein Modellflieger steht am Parkplatz (Landeplatz 2). Ich geselle mich zu ihm. Wir finden einen Bart und kurbeln gemeinsam auf 300m auf, vielleicht haben sich ein paar Wanderer auf dem Skywalk gewundert woher die Modellflugzeuge kommen. 


Kommentare:

Henry Graber hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Henry Graber hat gesagt…

Hallo Martin,

danke für diese tollen Einblicke in die Welt des Modellflugs! :-)
Das Fotoalbum auf der rechten Seite hat mir auch gut gefallen.

Bin seit längerem auf der Suche nach einer neuen Freizeitbeschäftigung und denke so langsam hab ich was gefunden, der Modellflug könnte echt etwas für mich sein :-) Freue mich deshalb immer wenn ich neue Inspirationen finde.

In Sachen Modellflugzeug werde ich mich mal nach ein paar passenden Einstiegs Modellen umsehen und dann mal gucken was da auf uns zukommt :-)

In diesem Sinne, Guten Flug!